# 40 – Curriculum Vitae

Vollkommen überraschend drängte mich Sophie, einen Job zu suchen. Wozu? Sie verdient das Geld und ich mache den Haushalt.

Ich putze wie ein Weltmeister, koche, manage die Zwillinge und gehe mit Freds Hund spazieren. Die Arbeitsteilung gefällt Sophie, aber sie meint, Sex mit einem, der Geld nach Hause bringt, ist erotischer, als Sex mit einem, der das Häusl geputzt.

„Happy Wife, Happy Life“, sagte meine Taufpatin immer, weshalb ich mich an den Schreibtisch setzte und eine Bewerbung samt Lebenslauf verfasste. Schnell war beides geschrieben, zwanzig Mal kopiert und abgeschickt.

Das Resultat war niederschmetternd und das von mir per Eilbote georderte Sexspielzeug, blieb im Karton. Eine Analyse im Freundeskreis – Fred und sein Hund – ergab nichts, doch Fred meinte, es könnte am Lebenslauf gelegen haben.

Benny Adam; muskulös; schön; knapp über 40; Klassenbester im katholischen Kindergarten; Abzeichen in Pyrit in der Disziplin Standardtänze; langjähriger Maturant; Studienaufenthalte in den Bundesländern; familiärer Objekt – und Subjekt-Manager; Hygieniker; Mediator bei brüderlichen Kampfeinsätzen; Tierführer; langjähriger Vorstand des Gebrauchsanweisungs-Übersetzerteams Dildo-Brothers; fundamentale Kenntnisse in 20! Sprachen

Kein einziges Unternehmen lud mich zu einem Vorstellungsgespräch. War damit nicht eindeutig bewiesen, dass dieses Projekt Lebenslauf eine Farce ist? Was kann ein Lebenslauf über einen Menschen aussagen? Nichts. Der Verfasser wird immer Teile seines Lebens herauspicken, die vorteilhaft erscheinen, Nachteiliges weglassen und die Wahrheit kreativ auslegen. Natürlich war ich nie der Vorstand des Übersetzerteams. Es gab kein Team. Damals, vor den Kindern, als ich noch regelmäßig im Sex-Shop meiner Taufpatin arbeitete, musste ich die verdammten Sexspielzeug- Gebrauchsanweisungen alleine übersetzen. Das „Dildo-Brothers“ Übersetzungsbüro ist meine Erfindung und das Wort „einführen“ kenne ich in zwanzig Sprachen.

Ein Beispiel (für einen Lebenslauf, nicht für das Wort „einführen“!):

Josef Schranz; Kind einer Alleinerzieherin; frühe Mithilfe beim Waschen und Putzen an den diversen Arbeitsstätten der Mutter; Abgang von der Volksschule als Klassenbester; Aufnahme am Priesterseminar; umfangreiche politische Tätigkeit.

Oder:

Max Geier, jüngster von vier Söhnen aus der vierten Ehe des Vaters; Zigaretten und Gelddiebstahl in früher Jugend; Bordellbesuche, Heirat mit 13; Vater mit 16; Jusstudium, mehrjährige Gefängnisaufenthalte

Also wem würden Sie, verehrte Leserin, verehrter Leser, eher die Firmengeheimnisse anvertrauen? Josef oder Max? Wären diese beiden Lebensläufe ihre einzige Informationsquelle, dann müssten Sie Josef Stalin einstellen und Mahatma Gandhi vor die Tür setzen.

Ist das der Beweis für die Unzulänglichkeit von Lebensläufen? Überlegen Sie sich die Lebensläufe ihrer ehemaligen Mitschüler. Stimmt die Vermutung, die einen bei diversen Maturajubiläumsfeiern überkommt, dass alle die Jus, Medizin oder BWL studiert haben, immer schon absolut phantasielos waren? Aber auf dem A4-Lebenslauf klingt so ein Studium vielleicht besser als ein Lehrgang für Feuerschlucker und Handleser. Egal, ob man mit solchen Menschen wirklich ein Drittel seines Lebens verbringen will.

Gut. Die Welt ist nicht gerecht und die Stimme der Vernunft kein Youtube-Hit. Weshalb ich mich dazu entschloss, einen letzten Test zu wagen und einen Lebenslauf zu verfassen, der jedem Headhunter das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen müsste.

Herbert Kurz, im besten Alter, Volksschule am Land, Matura in Wien, Militärdienst bei den Gebirgsjägern, anschließend unvollendete Studien der Rechtswissenschaften, der Publizistik, der Philosophie und der Geschichte; (angedacht waren noch Medizin und BWL!) großer Tierfreund, sehr sportlich, viele Werte, leidenschaftlicher Wassertrinker, politische Tätigkeiten auf fast allen Ebenen der Branche

Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass es sich bei der beschriebenen Person keinesfalls um mich handeln kann. Für meinen ultimativen Test habe ich mich dazu entschlossen, zwei Lebensläufe von Lichtgestalten der österreichischen Innenpolitik zu kombinieren. Zwischen Herbert Kickl und Sebastian Kurz gibt es da auch viele Überschneidungen. Beide haben nie in einem Sexshop, oder einem anderen wirtschaftlich geführten Unternehmen gearbeitet.

Über hundert Bewerbungen habe ich vor zwei Monaten verschickt. Heute kam die erste Einladung zum Vorstellungsgespräch. Ist ein Reinigungsunternehmen. Bin sehr gespannt!

Benny Mob © Sarah Morrissette